Sanierung

Fensterkitt oder Silikon: Was ist die bessere Wahl?

Wenn das alte Fenster zieht oder der Kitt rund um die Scheibe bröckelt, stellt sich schnell die Frage nach dem richtigen Material. Greift man zum klassischen Fensterkitt oder doch lieber zum modernen Silikon? Beide haben ihre Berechtigung, aber eben nicht für denselben Zweck.

Welches Material das richtige ist, hängt vor allem vom Fenster ab. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich Fensterkitt und Silikon unterscheiden, wo welches Material seine Stärken hat und welche Fehler du beim Abdichten vermeiden solltest.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Leinölkitt ist die richtige Wahl für alte Holzfenster mit Einfachverglasung und im Denkmalschutz
  • Silikon passt zu modernen Isolierverglasungen und Kunststofffenstern
  • Überstreichbar: Kitt ja, Silikon nein
  • Aushärtung: Silikon in rund einem Tag, Leinölkitt über Wochen
  • Elastizität: Silikon bleibt dauerelastisch, Kitt wird mit der Zeit hart und spröde

Leinölkitt und Silikon im direkten Vergleich

Am schnellsten siehst du die Unterschiede in der Gegenüberstellung. Beide Materialien haben klare Stärken, die sie für unterschiedliche Fenster prädestinieren.

Leinölkitt

  • überstreichbar, arbeitet mit dem Holz
  • ideal für Einfachglas und Denkmalschutz
  • diffusionsoffen und reparierbar
  • härtet langsam über Wochen aus
  • wird mit der Zeit hart und spröde

Silikon

  • dauerelastisch und witterungsbeständig
  • ideal für Isolierglas und Kunststofffenster
  • härtet schon nach rund einem Tag aus
  • nimmt Bewegungen ohne Reißen auf
  • lässt sich nicht überstreichen

Was ist Fensterkitt?

Klassischer Fensterkitt, der Leinölkitt, ist ein altes und bewährtes Material. Er besteht im Kern aus Leinölfirnis und Kreide und härtet langsam durch die Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft aus. Dieser Prozess dauert nicht Stunden, sondern Wochen bis Monate.

Das Besondere am Leinölkitt ist, dass er überstreichbar ist und mit dem Holz arbeitet. Er nimmt die natürlichen Bewegungen eines Holzfensters mit und lässt sich anschließend mit dem Rahmen überstreichen. Diese Eigenschaft macht ihn bei einfach verglasten Holzfenstern und historischen Bauten oft unverzichtbar.

Was ist Fenstersilikon?

Silikon ist ein synthetischer Dichtstoff, der durch die Luftfeuchtigkeit vulkanisiert und meist schon nach rund einem Tag durchgehärtet ist. Das Ergebnis ist eine gummiartige, dauerelastische Masse, die Zug- und Druckbelastungen gut aufnimmt und sehr witterungsbeständig ist.

Durch seine Elastizität passt sich Silikon dauerhaft an Bewegungen und Temperaturschwankungen an, ohne zu reißen. Der entscheidende Nachteil ist, dass es sich nicht überstreichen lässt. Farbe perlt an der glatten Oberfläche ab.

Die wichtigsten Eigenschaften auf einen Blick

Eigenschaft Leinölkitt Silikon
Aushärtung Wochen bis Monate rund ein Tag
Elastizität wird hart und spröde dauerelastisch
Überstreichbar ja nein
Ideal für Holzfenster, Einfachglas Isolierglas, Kunststoff
Wartung regelmäßig nacharbeiten selten nötig
Fensterkitt oder Silikon – altes Holzfenster mit Einfachverglasung und verwittertem Rahmen
Alte Holzfenster mit Einfachverglasung sind die klassische Domäne des überstreichbaren Leinölkitts. · Foto: David McElwee / Pexels

Wann Leinölkitt die richtige Wahl ist

Bei alten, einfach verglasten Holzfenstern und bei denkmalgeschützten Gebäuden ist Leinölkitt fast immer die technisch korrekte Lösung. Der Grund liegt in der Wartung. Ein Holzfenster muss regelmäßig gestrichen werden, um den Witterungsschutz zu erneuern.

Da Leinölkitt überstreichbar ist, bildet der Lackfilm eine durchgehende Schutzschicht über Rahmen und Kittfase. So bleibt das Holz geschützt und die Abdichtung intakt. Ein moderner Silikonwulst würde diese durchgehende Lackschicht unterbrechen und wäre an einem klassischen Holzfenster fehl am Platz.

Wann Silikon besser passt

Bei modernen Isolierverglasungen und Kunststofffenstern spielt Silikon seine Stärken aus. Es dichtet dauerelastisch ab, hält Temperaturschwankungen aus und muss nicht gestrichen werden. Auch für die Anschlussfuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk im Außenbereich ist Silikon meist die passende Wahl.

Tipp für überstreichbare Fugen: Soll eine Fuge überstrichen werden, etwa der Übergang zur Wand im Innenraum, ist Acryl die bessere Alternative. Es lässt sich anders als Silikon streichen. Wähle das Material also immer danach aus, ob die Fuge später Farbe bekommen soll.

Wer ohnehin gerade am Fenster arbeitet, bringt im Sommer oft gleich ein Fliegengitter am Fenster an.

Häufige Fehler beim Abdichten

Das solltest du vermeiden

  • Silikon dort einsetzen, wo später überstrichen werden soll
  • Leinölkitt auf ein Kunststofffenster auftragen, mit dem er sich nicht verbindet
  • Den alten, bröckelnden Kitt nicht vollständig entfernen
  • Die Fuge nicht reinigen und entfetten, sodass das Material schlecht haftet
  • Silikon bei Frost oder auf feuchtem Untergrund verarbeiten

Fazit

Fensterkitt oder Silikon ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern von der richtigen Anwendung. Für alte Holzfenster mit Einfachverglasung und im Denkmalschutz führt am überstreichbaren Leinölkitt kaum ein Weg vorbei.

Für moderne Isolierverglasungen, Kunststofffenster und Anschlussfugen ist dagegen Silikon die schnelle, dauerelastische Lösung. Entscheide nach dem Fenster und danach, ob die Fuge später gestrichen werden soll.

Häufige Fragen zu Fensterkitt und Silikon

Kann ich altes Holzfenster mit Silikon abdichten?

Besser nicht. Bei alten, einfach verglasten Holzfenstern gehört überstreichbarer Leinölkitt in die Glasfalz, weil er mit dem Holz arbeitet und sich mitstreichen lässt. Silikon würde die durchgehende Lackschicht unterbrechen.

Ist Silikon eine Alternative zu Fensterkitt?

An modernen Isolier- und Kunststofffenstern ja, an klassischen Holzfenstern nur eingeschränkt. Dort fehlt Silikon die Überstreichbarkeit, die für den Witterungsschutz des Holzes wichtig ist.

Wie lange braucht Fensterkitt zum Aushärten?

Leinölkitt härtet langsam durch die Reaktion mit Sauerstoff aus, das dauert je nach Bedingungen Wochen bis Monate. Silikon ist dagegen meist nach rund einem Tag durchgehärtet.

Womit dichte ich die Fuge zwischen Fenster und Wand ab?

Im Außenbereich meist mit Silikon, weil es dauerelastisch und witterungsbeständig ist. Soll die Fuge innen überstrichen werden, ist Acryl die bessere Wahl.

Muss ich alten Fensterkitt komplett entfernen?

Ja, bröckelnden und rissigen Kitt solltest du vollständig aus der Glasfalz entfernen, bevor du neu kittest. Nur auf einem sauberen, festen Untergrund hält der frische Kitt dauerhaft.

Kann ich Silikon überstreichen?

Nein, Farbe haftet nicht auf der glatten Silikonoberfläche und perlt ab. Wenn eine Fuge überstrichen werden soll, nimm stattdessen Acryl, das sich problemlos streichen lässt.

Bildnachweis Beitragsbild: Foto Erik Mclean / Pexels